Ruud Reuland
Direktor der Hotelfach- schule Lausanne, der ältesten Hotelfachschule der Welt und international eines der drei besten Ausbildungsinstitute im Hotelgewerbe
«Dieser Kanton besitzt unerreichte pädagogische Kompetenzen. Es ist eine Bildungsregion mit mehreren international renommierten Schulen».
Die internationale Bekanntheit der Schule, die Sie leiten, verschafft dem Kanton Waadt seit 1893 einen ausgezeichneten Ruf in der Hospitality-Branche und deren Ausbildung. Ist dieser Ruf auch heute noch gerechtfertigt?
Unbedingt! Die Schweiz und der Kanton Waadt im Besonderen sind die Wiege der Hotellerie und der modernen Gastronomie. In dieser Region findet man eine beeindruckende Anzahl 5-Stern-Hotels und –Restaurants. Hier verewigt sich eine Kultur des Savoir-être und Savoir-vivre, die sich nicht einfach in andere Kulturen übersetzen lässt. In meiner Heimat Holland zum Beispiel kann ich die Eigenheiten dieser Kultur der Hospitality, wie sie hier gelehrt und praktiziert wird, nicht erklären.
Die Hotelfachschule Lausanne ist wie das IMD (Management), die EPFL (Technologie) oder die ECAL (angewandte Künste) eine der vielen international anerkannten Schulen im Kanton Waadt. Wie erklären Sie sich diese Konzentration von Bildungsinstituten?
Ich nehme an, der Kanton verfügt über pädagogische Kompetenzen, wie es sie nirgendwo sonst für die internationale Ausbildung gibt. Dazu kommen die Spezialkenntnisse in den Unterrichtsgebieten. Der Kanton Waadt ist eine Bildungsregion, die zu den besten der Welt gehört. Im Hotelgewerbe nennt man unsere Schule nicht mehr beim Namen, man spricht nur noch von „Lausanne“. Das zeigt, wie eng verbunden die Schule mit der Region ist.
Wer bildet sich an der Hotelfachschule Lausanne aus? Was finden die Studierenden so besonders an dieser Schule?
Wir haben 1'600 Studierende aus mehr als 85 Nationen. Die EHL ist eine der drei renommiertesten Schulen der Welt und wird oft als Nummer 1 zitiert. Ich denke, ihre Besonderheit liegt darin, dass sie die Kunst und die Wissenschaft der Hospitality kombinieren kann. Die Kunst besteht aus dem relationalen Teil des Empfangs, die Wissenschaft umfasst die Führungskompetenzen. Es braucht beides, um eine unvergessliche Erfahrung zu erleben. Die meisten anderen Schulen setzen das Schwergewicht auf den einen oder anderen dieser Aspekte.
Wie wurden Sie persönlich aufgenommen, als Sie aus Holland kamen?
Ich wurde sehr gut aufgenommen. Ich hatte keine Mühe, mich zu integrieren. Auch die anderen acht Mitglieder der Direktion, alles Ausländer, hatten keine Schwierigkeiten. Diese Region ist sehr international und sich gewohnt, Menschen aus aller Welt zu empfangen. Man spricht viel von der holländischen Offenheit und Toleranz, aber hier finde ich noch mehr davon! Die Menschen hier sind extrem tolerant und respektvoll.
